Die KI-Suche liefert immer häufiger Antworten.Wie Unternehmen trotzdem sichtbar bleiben.
Google AI Mode ist in der Schweiz verfügbar und beantwortet Suchanfragen zunehmend direkt. Für Unternehmen reicht ein gutes Ranking deshalb nicht mehr allein. Sichtbarkeit entsteht auch dort, wo Inhalte als Quelle dienen, eine Marke genannt wird oder aus einer Antwort eine konkrete Anfrage entsteht.
Team bathyro··10 Min. Lesezeit
KI-generiert
Sichtbarkeit endet nicht mehr bei der Trefferliste
Die klassische Suche zeigt mehrere Ergebnisse. Nutzerinnen und Nutzer wählen eine Seite aus und suchen dort nach der gewünschten Information. KI-gestützte Suchfunktionen verändern diesen Ablauf: Sie verbinden Informationen aus unterschiedlichen Quellen und formulieren daraus eine direkte Antwort mit weiterführenden Links.
Google führt die Schweiz aktuell als unterstütztes Land für AI Mode. Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch stehen ebenfalls in der Liste der unterstützten Sprachen. Die Listen für Länder und Sprachen sind allerdings getrennt. Sie garantieren nicht, dass jede Funktion in jeder Kombination aus Sprache, Konto und Gerät identisch verfügbar ist. Google dokumentiert die aktuelle Verfügbarkeit in seiner AI-Mode-Hilfe.
In der Schweiz besteht bereits eine breite Grundlage für solche Angebote. Nach der jüngsten Erhebung des Bundesamts für Statistik nutzten 2025 rund 47 Prozent der 16- bis 74-Jährigen generative KI. Diese Zahl beschreibt generative KI insgesamt, nicht speziell die Nutzung von KI-Suchfunktionen. Das BFS veröffentlichte die Auswertung im April 2026.
Für Unternehmen entstehen vier Formen der Sichtbarkeit:
Die Website erscheint als klassisches Suchresultat.
Eine Seite wird als Quelle verwendet oder verlinkt.
Das Unternehmen oder sein Angebot wird namentlich erwähnt.
Die Antwort führt zu einem Besuch, Kontakt oder Kauf.
Diese Ebenen sind nicht gleichbedeutend. Eine Quelle kann genutzt werden, ohne einen Klick zu erhalten. Eine bekannte Marke kann genannt werden, obwohl ihre Website nicht als Quelle erscheint. Erst eine konkrete Handlung verbindet Sichtbarkeit mit einem geschäftlichen Ergebnis.
Weniger Klicks sind möglich, eine Schweizer Quote gibt es nicht
Direkte Antworten können Informationsbedürfnisse bereits innerhalb der Suche erfüllen. Das Pew Research Center und ein 2026 veröffentlichtes, preregistriertes Feldexperiment beobachteten in den USA übereinstimmend weniger externe Klicks, wenn KI-Zusammenfassungen oder AI Mode eingesetzt wurden.
Beide Untersuchungen sind methodisch nachvollziehbar, betreffen aber den US-Markt. Das Feldexperiment war zudem auf sieben Tage begrenzt und noch nicht peer-reviewed. Pew dokumentiert seine Beobachtungsstudie, die aktuellere Versuchsanordnung ist auf arXiv einsehbar.
Für Schweizer Unternehmen lässt sich daraus keine allgemeine Verlustquote ableiten. Dafür fehlen vergleichbare Schweizer Daten. Die belastbare Einordnung ist enger: Bei gewissen Informationssuchen kann ein Teil der bisherigen Websitebesuche entfallen.
Gleichzeitig können die verbleibenden Besuche gezielter sein, wenn eine Person nach der ersten Einordnung zusätzliche Details, ein konkretes Angebot oder direkten Kontakt sucht. Ob dies tatsächlich geschieht, muss jedes Unternehmen anhand seiner eigenen Daten prüfen.
In der KI-Suche zählt nicht nur, ob eine Seite gefunden wird. Entscheidend ist auch, ob ihre Informationen korrekt verstanden, eindeutig zugeordnet und als Quelle verwendet werden können.
Davide Di Giovanna
Inhaber bathyro GmbH
Im Unternehmen wird aus einer Eingabe ein Organisationsentscheid
Im geschäftlichen Einsatz kann eine einzelne Eingabe mehrere Verantwortungsbereiche berühren. Ein Prompt enthält möglicherweise Kundenangaben, interne Kalkulationen, Vertragsinhalte, Bewerbungsdossiers oder noch nicht veröffentlichte Unternehmensinformationen. Das Ergebnis kann später in einer Offerte, einer Kommunikation oder einer Entscheidung auftauchen.
Der EDÖB hält ausdrücklich fest, dass das Schweizer Datenschutzgesetz auf KI-gestützte Bearbeitungen direkt anwendbar ist, sobald Personendaten verarbeitet werden. Hersteller, Anbieter und Anwender müssen die datenschutzrechtlichen Anforderungen innerhalb ihres jeweiligen Verantwortungsbereichs beachten. Bei hohem Risiko kann eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich sein.
Ein Geschäftskonto löst diese Fragen nicht automatisch. Es kann bessere Verwaltungs-, Sicherheits- und Vertragsfunktionen bieten. Das Unternehmen muss trotzdem klären, welche Daten in das System gelangen, wie lange sie gespeichert werden, ob sie für das Training verwendet werden können, welche Unterauftragnehmer beteiligt sind und wie Zugriffe beendet werden, wenn eine Person das Unternehmen verlässt.
GEO erweitert SEO, ersetzt es aber nicht
Generative Engine Optimization, kurz GEO, bezeichnet Massnahmen, die Inhalte für generative Such- und Antwortsysteme besser auffindbar, verständlich und zitierbar machen sollen. Answer Engine Optimization, kurz AEO, richtet den Blick stärker auf klar erkennbare Antworten.
Die Begriffe sind nicht einheitlich standardisiert und überschneiden sich mit SEO. Für Google bilden sie keinen eigenständigen technischen Kanal. Der Anbieter ordnet die Optimierung für AI Overviews und AI Mode weiterhin der Suchmaschinenoptimierung zu. Die aktuelle Google-Anleitung wurde am 10. Juli 2026 aktualisiert.
Die technische Grundlage bleibt deshalb vertraut:
Seiten müssen crawlbar und indexierbar sein.
Wichtige Informationen müssen in zugänglicher Textform vorliegen.
Die Website muss auf mobilen Geräten sauber funktionieren.
Strukturierte Daten müssen zum sichtbaren Inhalt passen.
Unternehmens- und Produktinformationen müssen aktuell sein.
Hinzu kommt die Quellenfähigkeit. Eine Seite sollte eine konkrete Frage verständlich beantworten, ihre Aussagen belegen und erkennen lassen, wer für den Inhalt verantwortlich ist. Eigene Daten, dokumentierte Erfahrungen und fachlich begründete Einordnungen sind schwerer austauschbar als Texte, die lediglich allgemein verfügbare Informationen zusammenfassen.
Auch die Entity-Klarheit gehört dazu. Mit einer Entity ist beispielsweise ein Unternehmen, eine Marke, eine Person, ein Produkt oder ein Standort gemeint. Name, Rechtsform, Angebot, Tätigkeitsgebiet und verantwortliche Personen sollten auf der eigenen Website und in relevanten Unternehmensprofilen konsistent beschrieben sein.
Für lokal tätige Schweizer Unternehmen nennt Google insbesondere das Business Profile und aktuelle Unternehmensangaben als mögliche Grundlage für die Sichtbarkeit in klassischen und generativen Suchresultaten.
Eine Grounding Page kann als verlässlicher Anker dienen
Der Begriff Grounding Page ist kein eigener, von Google definierter Seitentyp und kein bestätigter Rankingfaktor. In diesem Beitrag bezeichnet er eine öffentlich zugängliche zentrale Seite, auf der ein Unternehmen seine wichtigsten Fakten, Zusammenhänge und Quellen geordnet darstellt.
Eine solche Seite kann beispielsweise enthalten:
vollständiger Unternehmensname und klare Positionierung
Leistungen, Produkte und relevante Einsatzbereiche
Zielgruppen, Regionen und Schweizer Marktbezug
Fachgebiete und nachvollziehbare Zuständigkeiten
zentrale Begriffe mit verständlichen Definitionen
eigene Veröffentlichungen, Daten oder Referenzinhalte
Links zu vertiefenden Leistungs- und Themenseiten
Publikations- und Aktualisierungsdatum
Die Grounding Page ist kein verstecktes Keyword-Dokument und keine Sammlung künstlich formulierter Suchanfragen. Sie muss auch für Menschen einen klaren Informationswert haben.
Eine einzelne Seite ersetzt zudem keine durchdachte Website-Struktur. Sie kann als inhaltlicher Anker dienen, braucht aber passende Unterseiten, Fachbeiträge und konsistente externe Unternehmensinformationen.
Google beschreibt Grounding im technischen Sinn als Teil der Retrieval-augmented Generation. Dabei werden passende und möglichst aktuelle Seiten aus dem Suchindex abgerufen, um eine Antwort mit Webinformationen zu stützen. Daraus lässt sich keine bevorzugte Behandlung einer sogenannten Grounding Page ableiten. Der praktische Nutzen liegt in der klaren, überprüfbaren Darstellung, nicht in einer garantierten Systemwirkung.
Quellenwürdigkeit entsteht auf und ausserhalb der Website
Ein Unternehmen kontrolliert seine Website, aber nicht die gesamte Darstellung seiner Marke im Netz. Such- und Antwortsysteme können auch Unternehmensprofile, Medienberichte, Branchenplattformen, Bewertungen, Videos und andere öffentliche Quellen berücksichtigen.
Für die eigene Website sind besonders relevant:
präzise Leistungs- und Produktbeschreibungen
klare Antwortpassagen zu echten Kundenfragen
Primärquellen für eigene Zahlen und Aussagen
erkennbare Autorenschaft oder redaktionelle Verantwortung
aktuelle Veröffentlichungs- und Änderungsdaten
sinnvoll eingesetzte strukturierte Daten
eigene Bilder und Videos mit beschreibenden Alt-Texten
Ausserhalb der Website helfen echte Erwähnungen, wenn sie aus fachlicher Relevanz entstehen. Dazu können Medienbeiträge, Verbandsinformationen, seriöse Branchenplattformen, Kundenbewertungen oder Beiträge von Partnerorganisationen gehören.
Künstlich erzeugte Nennungen, wahllose Verzeichniseinträge und gekaufte Empfehlungen schaffen dagegen keine belastbare Vertrauensgrundlage.
Für Schweizer Unternehmen kommt die regionale Präzision hinzu. Preise, Verfügbarkeit, Rechtsraum, Standorte und Sprachversionen müssen erkennen lassen, ob eine Aussage für die Schweiz, einen Kanton oder einen anderen Markt gilt. Übersetzte Inhalte sollten fachlich geprüft werden und nicht bloss dieselben Aussagen unter einer anderen Sprachadresse wiederholen.
Besondere GEO-Tricks sind nicht nötig
Google widerspricht mehreren verbreiteten Versprechen ausdrücklich. Für die generativen Funktionen der Google-Suche braucht es:
keine llms.txt-Datei
kein besonderes KI-Schema
keine künstliche Aufteilung in kleinste Textblöcke
keine vorgegebene ideale Wortzahl
keine eigene Seite für jede Suchformulierung
keine künstlich erzeugten Markenerwähnungen
Das bedeutet nicht, dass technische Struktur unwichtig wäre. Schema.org-Auszeichnungen, semantisches HTML, verständliche Überschriften und maschinenlesbare Produktdaten können weiterhin sinnvoll sein. Sie erfüllen jedoch konkrete Aufgaben und sind keine garantierte Eintrittskarte in eine KI-Antwort.
Als nächste Entwicklung kommen handelnde Agenten hinzu. Google weist in seiner aktuellen Anleitung darauf hin, dass Browser-Agenten Seiten visuell prüfen, die Dokumentstruktur auslesen und Bedienelemente interpretieren können. Für Unternehmen spricht dies für zugängliche Formulare, eindeutige Produktinformationen und nachvollziehbare Prozesse.
Welche agentischen Funktionen in der Schweiz tatsächlich verfügbar werden, muss jeweils separat geprüft werden.
Sichtbarkeit braucht neue Messgrössen
Rankings, Impressionen und Klicks bleiben relevant. Sie sollten aber gemeinsam mit weiteren Signalen betrachtet werden:
Erwähnungen des Unternehmens in wichtigen Antwortsituationen
Verlinkungen der eigenen Seiten als Quelle
Entwicklung markenbezogener Suchanfragen
qualifizierte Websitebesuche und Kontaktaufnahmen
Verkäufe oder andere definierte Geschäftsziele
korrekte Darstellung von Angebot und Positionierung
Google führt derzeit einen eigenen Bericht für generative KI in der Search Console ein. Er zeigt Impressionen aus AI Overviews und AI Mode nach Seite, Land, Gerät und Zeitraum. Der Bericht wird noch nicht allen Websitebetreibern angezeigt und erfasst derzeit Impressionen, nicht Klicks. Google erläutert den Bericht und seine Grenzen in der Search-Console-Hilfe.
Ergänzend kann ein Unternehmen ein kleines Set realer Kundenfragen regelmässig prüfen. Einzelne Abfragen sind nicht repräsentativ, weil Antworten nach Sprache, Standort, Zeitpunkt und Personalisierung variieren können. Die Beobachtung zeigt aber, ob das Unternehmen korrekt eingeordnet wird, welche Quellen erscheinen und wo wichtige Informationen fehlen.
Die Suche wird damit nicht zu einer völlig neuen Disziplin. Technische SEO öffnet weiterhin den Zugang. GEO richtet den Blick stärker auf Quellenfähigkeit, Entity-Klarheit und konsistente Informationen. Eine Grounding Page kann diese Elemente bündeln. Entscheidend bleibt, ob daraus für Menschen verständliche Inhalte und für das Unternehmen messbare Ergebnisse entstehen.
Auf einen Blick
AI Mode ist in der Schweiz verfügbar.
US-Klickraten sind nicht auf die Schweiz übertragbar.
GEO ergänzt die bestehende SEO-Arbeit.
Grounding Pages sind kein garantierter Rankingfaktor.
Eigene Fachsubstanz verbessert die Quellenfähigkeit.
Geschäftliche Wirkung zählt mehr als Sichtbarkeit allein.
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